Freitag, 28. November 2014


"Benjamin, wo bleibt das Hörspielskript?" - "Ich bin so müde..." - "Denk an den Rohrstock!" - "Bitte nicht, Otto..."

Donnerstag, 27. November 2014

"Wozu brauche ich schon Halt und Struktur?", sagte der Fuchs und stolzierte mit lose befestigtem Köpfchen in den Wald zurück.

 (Äsop, "Der Fuchs und die Schrauben")

Mittwoch, 26. November 2014

Aaltag.

Mittag. 
Am halb abgerissenen Hotel "Stadt Chemnitz", der Nazikneipe, dem Auto mit Werbung für "Nancys Kerzenparadies" vorbeigleiten.

Abend.
Mädchen, die in an einem Sonntag in einer Bank abhängen, weil es der einzige offene, geheizte Ort ist. Naja, hab ich auch schon gemacht.

Eine Fahrradgang rollt die Rochlitzer Straße lang. Einer trägt einen Armleuchter mit brennenden Kerzen. Die Luft riecht angenehm verbrannt.

Der Ort ist nie das Problem. Menschen, die sich woandershin geschleppt haben, sterben halt unter einer Veranda aus Glas statt Pappe.

Ansagenumwoben



Freitag, 21. November 2014

Das Juke in "Jukebox".

"The term jukebox did not appear until the late 1930s and its origins are in dispute. Some believe it is derived from the African word jook, meaning to dance. Others link it to the juke joints—roadside bars located in the South and frequented by African Americans—that were popular at that time."

Alternativer Ansatz:
"Probably [an] alteration of English dialect jouk to cheat, deceive."

Eine Vermutung:
"Man könnte ableiten, dass ja keine echten Musiker in der Box sitzen."

Etymologische Herleitung:
"From dialect jukehouse brothel, from juke to have sexual intercourse with, of Atlantic Creole origin; akin to Jamaican English juk to poke, stab, Krio chuk."

(Quelle: http://dict.leo.org/forum/viewUnsolvedquery.php?idThread=560565&idForum=2&lang=de)

Subwoofer für Subhumanoide

Ich fragte: "Wie vermittelt man Nachbarn, dass die Musik, die sie 24/7 hören, viel zu laut ist, ohne wie der letzte Rentner zu wirken?"

Es erschien mir mir ein extrem farbloser Engel, der sprach: "Geht nicht. Du musst dich dem Rentnertum hingeben, dann lebt es sich eh besser!"

Sollte es so einfach sein? Ich klingelte bei den Nachbarn. Es öffnete der Sohn, der meinte, er arbeite am Projekt "Humanbildhauerei mit Schallwellen", noch 6 Wochen, dann würde er aussehen wie Mateo von Culcha Candela. Ich fragte, ob ich eintreten dürfe. Folgendes Bild bot sich mir:


Ein Freund der Familie zerrte an der Quelle meines Übels, einem Apparat, der unerhört laut brummte und rief: "Die Box will einfach nicht schweigen!", ein anderer Mann, offenbar der Vater des Jungen meinte betrübt: "Sie wird uns töten."
Am Tisch saß das Ehepaar Kaltofen, das eigentlich nur zum Mittagessen vorbeikommen wollte. Er war bedrückt ob der Lage, sie fand sie spannend. Wie würden die Männer das Todesproblem lösen?



Gar nicht. Die Box schwieg unvermittelt, denn die Culcha Candela-Verwandlung war vorzeitig eingetreten, allerdings nicht, wie von ihm erwünscht, beim Sohn der Familie. Kaltofens zuckten mit den Schultern, machten es sich gemütlich. Das war doch endlich mal ein schöner Besuch bei Freunden.

Mittwoch, 12. November 2014

Arschtritt Lindgren kicks my ass: Heavy Bullets.













Denke beim Dschungel-Roguelite Heavy Bullets dauernd, wegen der Art, wie die gelangweilten Kinder sich einen Dschungel vorstellen und mit Farbe an Wände malen, an Astrid Lindgren und "Die Kinder im Dschungel". Warum muss sie so tief in meinem Kopf sein?
(Mit fünf wollte ich so sein wie der graue Kobold in dem Buch. Ich malte mir aus, wie es wäre, auch so einen Ringelschwanz zu haben und kriegte sogar ein entsprechendes Kostüm genäht - ich war dann allerdings eine einfache, graue Maus. Mit einem Stück Pappkäse als Requisite.)
Im Kindergarten wurde Wir Kinder aus Bullerbü vorgelesen. Man schickte mich und meinen Bruder raus, weil wir über die Namen Lasse und Bosse lachten.
Lindgren war überall, im Sitzkreis in der Grundschule, wo Michel aus Lönneberga dran war.
Nach Ronja Räubertochter benannte ich ein ganzes Album. So könnte das ewig weitergehen.
Das ist nicht in Ordnung. Lindgren konnte überhaupt nicht schreiben. Naja, sie hatte ein Gefühl für Griffigkeit und Stimmungen, das war es aber auch.
Von Tove Jansson, einer echten Kinderbuchautorin (deren Bücher lange Zeit schlecht ins Deutsche übersetzt wurden), redet heute kaum jemand, es bleibt eine - im Vergleich zu ihren Büchern - blasse Anime-Serie.

(Heavy Bullets ist übrigens toll. Glaubhafte Vegetation durch Abstraktion, eine Shootermechanik mit begrenzten Kugeln, die man immer wieder einsammeln muss, wodurch blindes Geballer komplett wegfällt, trotzdem äußerst schnell. Außerdem eine akzeptable Auslegung der mittlerweile müffelnden Neon-Palette.)

Supermarktchronik-Sonderausgabe: Panik.

Die Supermarktchronik war eventuell niedlich. Das hier weniger.

15. Oktober 2014
Hmmm. Klöße. Möchte gern Mäuschen sein, wenn die Familie von Thüringen-Fritz seine nächsten Karrieresteps plant. Frisör? Mehr Klöße? Nacktbilder??

Blättere ermattet durchs Kühlregal wie durch eine Schallplattenkiste auf dem Flohmarkt. Kenn ich, kenn ich, brauch ich nicht, langweilig... Hm, Kräuterbaguette Sweet Thai Chili.

Erblicke mein Spiegelbild in der Kühltruhenscheibe. Erschrecke mich sich sehr.

Sie fanden ihn völlig aufgelöst hinterm Netto. In seinem Stoffbeutel hatte er zwei Packungen Maultaschen und Windbeutel mit Schlagsahne.

 Der Krisenstab zitiert ihn mit: E-e-ssen. Immer essen. Wie eine dumme M-maschine. Wirkungsgrad ... Gering! Katastrophe. M-unddddepression.

7. November 2014.

Hm, welche Champignons nehm ich jetzt ... Ah, ich neh- Ein Kind rast mit Einkaufswagen beinahe ins Tomatensaftregal.
Wo war ich? Wer bin ich?
Stehe vorm Kühlregal. Alles verschwimmt. Der Back-Camembert mit der Wurst mit dem Eiersalat, alles läuft in einer Suppe über mich, nichts ergibt Sinn. Hände greifen nach einem Beutel Pizzakäse. Die schwere Regalscheibe schließt sich, schmiegt sich sanft an einen Kopf, wie eine Guillotine.


"Lass uns danken dem Herrn für Fleisch aus dem Tetrapak und unser sauberes Tischtuch." - "Papa, mach den da mal tot."

Die Kaffeekanne tropft mal wieder.

"Die Hydrophobie des Kaffeekannenschnäuzchens unterliegt der Wechselwirkung von Oberflächenspannung und Anhangskraft, abhängig von der Temperatur."
"Aha. Die Kanne tropft, weil ich den Ernst der Physik nie akzeptiert habe."
"Genau, das ist die Strafe. Du könntest ja auch einfach Tee trinken, da gibt es bessere Kannen."
"Bezahlt die Krankenkasse mir einen Koffeinport?"
"Weißt du was, wie wär es damit - ich gebe dir 10.000€ und dafür reden einfach nie wieder über Kaffee? Und Montage? Und die Bahn? Und Serien?"
"1€ würde mir auch reichen."
"Das wäre dir genug? Kann ich nicht glauben."
"Doch, es gibt da so ein altes Haus, das kriegt man für den Symbolpreis von - genau - einem Euro, das hat so einen morbiden Charme, weißt du?"
"Aha. Nun, ich gebe dir mein gesamtes nächstes Jahresgehalt, wenn du nie wieder mit mir redest."
"Wow, das ist so großzügig von dir. Du bist ein echter Freund."

Dienstag, 11. November 2014

Ello und Sozialistischer Realismus

Die Plattform Ello kitzelt bei einigen alte Blogreflexe, es wird wieder geschrieben, nicht zu knapp, man genießt das Fließen der Buchstaben, lässt sich ein bisschen gehen, stößt nicht dauernd gegen Zeichenmauern.
Die so entstehenden Texte erinnern mich aber auch an sozialistische Jugendbücher, sie fangen an mit:

"Neben dem Kondomwerk in Jena stand eine gewaltige Buche. Der Sommer 1981 war sehr heiß. Wir tranken Limo und gingen jeden Tag angezogen baden."

 Oder sie klingen nach Vati, der beim Therapeuten endlich den Mund aufkriegt, vor allem über seine Arbeit:

 "Zu meinen Aufgaben am Fließband gehört es auch, die Puddinghaut von den frischen Motoren abzuflammen. Kaum geboren, schon komme ich mit meiner Gasflamme. Der Kollege kratzt dann mit einem Schaber die verbliebenen Reste runter. Oft isst er sie."

Ich weiß nicht, wie vielen Menschen der Sound des sozialistischen Realismus (in Jugendbüchern) jetzt direkt im Ohr liegt, aber er ist gekennzeichnet von Details, Schwüle, einer gedrückten Stimmung, in den Büchern, die ich las, war es wirklich immer Sommer, man stromert über die Heide und beschreibt jede Pflanze im Detail, schürft sich das Knie realistisch auf, man kriegt beim Lesen Durst, es ist schrecklich. Das ohne Abstraktion konservierte Elend könnte allerdings in ein paar Jahren - oder vielleicht jetzt schon? - wieder interessant werden, ähnlich wie bei alten Zeitschriften, denen auch nicht ein kruder Kunstgedanke zu Grunde liegt, sondern die Bündelung von reiner Information.

 
 
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