Dienstag, 26. August 2014

Maskulinität im Discounter.

Ich stehe am Schokoladenregal, zucke kurz zusammen, als zwei Männer mich streifen. Sie sind auf mehreren Ebenen gleichzeitig anwesend: mit ungedämpften Stimmen, festem Tritt und einer bemerkenswerten Geschwindigkeit. Mich stört das nicht, ich bemerke es nur.
Später an der Kasse. Die Frauen dort sind bei mir stets ruhig. Sie kennen mich, denn ich kaufe seit mehreren Jahren regelmäßig dort ein. Das Scan- und Bezahlprozedere verläuft immer gleichmäßig. Ich erzeuge eine Sinuskurve.
Nach mir kommen die Männer vom Schokoladenregal. Nun passiert etwas, das ich mir nicht völlig erklären kann: Die Kassiererinnen schnellen hoch und werden schäkerig, fragen die Männer dies und jenes, jedenfalls verhalten sie sich vollkommen anders als bei mir. Gut möglich, dass man sich hier in der Kleinstadt einfach kennt. Ebenfalls jedoch könnte es auch sein, dass die teilweise sehr spezielle Kundschaft mit eben jenem, oben beschriebenen, durchaus einschüchternden Auftreten (das die Form einer Sägezahnwelle mit irregulären Ausschlägen hat) ein lang antrainiertes Verhalten auslöst - sei verspielt, gibt dich mädchenhaft, dann werden sie dir nichts tun. Lache um dein Leben.
Ich möchte beim Einkaufen nicht flirten. Räume ich mit meinem Auftreten eine einminütige Pause vor Bedrohungen ein? Vielleicht bin aber auch ich einfach verstockt und man nimmt tatsächlich auf mich Rücksicht.
An dieser Stelle muss ich dringend klären, dass ich kein Problem mit sogenanntem männlichem, eventuell ungeschlachtem, Auftreten habe, obwohl ich es oft als bedrohlich empfinde. Aber mir ist auch klar, dass von dieser Bedrohung viel nur gefühlt und nicht belegbar ist.
Ich habe in meiner anhaltenden Auseinandersetzung mit Männlichkeit kein Interesse an Abgrenzung, suche nicht meinem gar schon vor dem ersten Verhandlungstag umzäunten, finalen "Platz". Mein Interesse an kokettem Ekel ist gering. Ich pflege eine dauerhafte Ergebnisoffenheit, das bedeutet, Korrekturen zuzulassen, von der eigenen Erwartung abzuweichen und das bis ans Lebensende.
 
 
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