Freitag, 5. April 2013

Liebling, ich habe die Frauen geschrumpft

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Rando Liebling studiert Medizin und möchte Szenearzt werden: ein Arzt, zu dem nur dünne Jungs mit ihren Problemen kommen. Juckende Schals, Gewichtszunahme, gemeine Menschen um sie herum. Aber Rando hat ein Problem - das mit den Jungs kann er sich nicht aussuchen. Also wird er auch Mädchen behandeln müssen. Auf akutes Bloggerschlampen-Syndrom, er wird ihnen die Mägen auspumpen müssen, wenn Instagram mal wieder das Essen verfärbt und eine Vergiftung ausgelöst hat. Rando kommt mit Frauen und ihren Problemen nicht klar, das ist offensichtlich. Dumm nur, dass bald die vierwöchige Praxiszeit ansteht. Sehr bald, nämlich schon morgen.

2
Ich bin Liebling, ich habe einen empfindsamen Magen, der Essen zu Gedanken verdaut. Gummifrüchte zum Beispiel verwandeln sich bei mir in Bilder, die ich dann aufzeichne. Ansonsten ist mein Gehirn eher leer. Ich trinke keinen Kaffee, der legt er sich wie ein schwarzer Schleier über die Ideen, die ich haben könnte.
Jetzt sitze ich im Schwesternzimmer und die Medizinische Fachangestellte fragt mich, ob ich einen Espresso möchte.

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Ich bin natürlich extrem höflich und koste. Ich versuche, die Flüssigkeit auf meiner Zunge zu balancieren, so dass sie in Bereiche flutscht, in denen die Bitterkeit nicht zu schmecken ist. Das ist schwierig, denn die Rezeptoren sind überall verteilt. Sogar in der Mitte.

4
Mein erster Tag in der Praxis ist vorbei, in Gedanken versuche ich, das Wort "Famulatur" richtig zu buchstabieren. Fummulator. Klingt wie eine ungeschickte Sexmaschine. Ein Petting-Robby. Ich habe noch nie einen Robby getroffen, der zu irgendwas zu gebrauchen war. Also, ich habe in meiner Wohnung einen Roboter, kein Thema. Ein glorifizierter Müllsortierer. Habe ich mir mal gegönnt, nachdem ich im Fernsehen einen Beitrag über Pizzafabriken schaute und sah, wie die schlechten Pizzen einfach automatisch vom Band geschubst werden. Daraufhin habe ich recherchiert und jetzt eine Maschine, die die Mülltrennung für mich erledigt.
Ich bin ohne Partner und werde es auch bleiben, ich habe keinen Platz für Liebesdinge in meinem Unterleib. Dort muss ich ganz andere Dinge lagern. Letzten Sommer ließ ich mir unterm Zwerchfell einen biologischen Datenspeicher einrichten, sicherer als jede Festplatte. Habe einfach zu viel Angst um meine Fotos, Mails und ISO-Dateien. Mein Werk ist größer als mein Trieb.

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Mein Tag beginnt nicht mit dem Aufstehen. Wir ihr mittlerweile sicher gemerkt habt, nutze ich mein Geld und Wissen vor allem, um mir selbst zu helfen. Schon als Kind wünschte ich mir, auf Morgenroutinen verzichten zu müssen. Deswegen habe ich mir zur Erstkommunion einen Chip gewünscht, der alle täglichen Wiederholungen ausblendet. Ich stehe also auf, und wahrscheinlich verrichte ich dann dieselben Selbstreinigungsarbeiten wie ihr, aber ich kann mich nicht daran erinnern. Ich stehe auf, bin geduscht und gepudert. Die Endkontrolle über den Filter hat übrigens meine Mutter Erika.

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Die Szenepraxis befindet sich in einem Einkaufskomplex, der im Stil des Brutalismus erbaut wurde. Das interessante daran ist, dass die in solchen Zentren normalerweise sehr gleichmäßige Beleuchtung nicht mehr völlig funktioniert, wodurch es unterschiedlich schattige Zonen gibt. Die ganz hell erleuchteten, in denen die Miete auch noch entsprechend hoch ist - und die heruntergekommenen. Wie ein Gateway zum Flugzeug führt der Weg zur Praxis an einem Klo vorbei, eine Treppe hinunter. Ausgeschildert ist jedoch schon. Allerdings in Spiegelschrift, das können dann nur die lesen, die sich sehr oft spiegeln und Übung haben darin... Ihr wisst schon.
Noch ist der Weg zur Praxis nicht durch meinen Routineschutz gedeckt, schließlich fehlen mir dafür noch ein paar Informationen. Was schwätzt der Cyborg? Ich bin ein Junge aus Kreisch und Mut. Jemand, der sich leicht erschreckt, mal quiekt, dann wieder zu unglaublichen Taten fähig ist.
 
 
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