Freitag, 14. Dezember 2012

Liebe Sahnemaus88, ich warte auf dich am Bahnsteig. Erkennungszeichen: Capri-Sonne und Kettenraucher.

Sonntag, 4. November 2012

Freitag, 5. Oktober 2012

Profi-Tipp für Kabelbrummen: einfach mal gucken, ob dumme Gedanken ins Leitungsnetz abstrahlen.

Montag, 10. September 2012

Meine Eltern haben mir in der Nachwendezeit eine perverse Liebe für Erwachsenen-Puppentheater vermittelt. Runtergekommene Theatergebäude in Dresden-Trachau. Gelbliche Gaslampen davor. Aufführungen, von denen das Internet niemals etwas wissen wird. Puppen gefühlt 50 m groß.

Samstag, 8. September 2012

Ich lese irgendwo von "Ladezeiten, die kürzer als meine Besuche im Bioladen sind". Der lustige bildhafte Vergleich ist so dermaßen vorbei.

Sonntag, 2. September 2012

Das Gefühl, 50 NicNacs gleichzeitig im Mund zu haben. Im ekelhaftesten Club der Welt.

Samstag, 18. August 2012

Und dann hast du das Holz tatsächlich ein halbes Jahr zum Trocknen liegen gelassen. Viel zu kurz, aber immerhin. Mittlerweile ist Winter, Zeit den Ofen zu befeuern. Doch es qualmt wie wild, die Feuchtigkeit hängt noch im Brennmaterial. Was ist das, deine Nase fühlt sich so warm an. Brennst du? Ja, Pinocchio, so hölzern bist du geworden. Nicht verlogen, aber ungelenk. Da hilft nichts, schnell die Zweigbeine absägen und rein in den Ofen damit. Dann den Papa anrufen, weinen und neue Gliedmaßen verlangen.

Samstag, 4. August 2012

Der Teufel hört beim Gruppensex Culcha Candela.

Samstag, 21. Juli 2012

Der Sound des Constantin-Filmlogos signalisiert dem Gehirn, dass der Abend gelaufen ist und nicht gespeichert werden braucht. Und er möchte so gerne verzweifelt großes Kino einleiten, diese pathetische Fanfare und das Wuuusch. Ein warmes Gefühl von Scheißigkeit.

Sonntag, 15. Juli 2012

Dein Vater hat drei Firewalls installiert und wartet darauf, dass Hacker Pimmelbilder von ihm stehlen.

Sonntag, 1. Juli 2012

Wie soll ich jemals damit klarkommen, dass Kleinkinder dämlich sind und ihre Stimmen klingen wie die von Comicfiguren?

Donnerstag, 21. Juni 2012
























Vinzenz Raindeer - George der aus dem Tunnel kam

Ich bin Georgina, genannt George
Ich habe vier Freunde,
Drei davon online
Und Timmy der Hund
Gebt mir ein Gehalt
Bezahlt ihr mich billig
Gebrauch ich Gewalt
Ich lege eure Server lahm
Ich bin George der aus dem Tunnel kam
Ich bin George...
Ich öffne meinen Browser und ich flieg zu dir
Ich, das kleine ITier
Gib mir ein Gehalt
Gib mir ein Geschlecht
Gib mir Geld
Wir sind die fünf Freunde
X und X,
X und und ich.a
Wir streifen durch alte Netze
Wir erpressen per Webcam
Vor uns gibts kein Geheimnis auf dieser Welt
Sie sind unserem Rätsel auf der Spur,
Doch sie finden uns nicht, glaubt mir nur!

Montag, 18. Juni 2012

Stelle mir vor, wie ich zur selben Zeit wie Wolfgang Petri ALDI-Eiskaffee aus der Packung trinke. Er sitzt dabei in der Kellersauna im und hat Angst vor seinem Sohn.

Mittwoch, 6. Juni 2012

Interview mit Vierkanttretlager

Max Leßmann, Sänger von Vierkanttretlager, erzählt vor einem Festivalauftritt in Neustrelitz ein paar Dinge. Das Interview in dieser Fassung ist weitestgehend ungekürzt.

Die Novum: Wenn ihr jetzt auf Tour seid, fehlt euch da das Meer ein bisschen und was macht ihr, wenn euch das Meer fehlt?

Max: Also es ist tatsächlich so, dass wir dem Meer jetzt nicht nur auf dem Papier sehr nahe stehen, sondern dass uns das Wasser auch wirklich sehr nahe liegt und wir freuen uns eigentlich immer, wenn wir dann auf Tour an so Orte kommen, wo es dann auch ein bisschen fließendes Gewässer gibt. Und zum Beispiel in Bremen, als wir mit Casper gespielt haben, da haben wir im Pier 2 gespielt und das direkt so am Hafen und das ist ein sehr schönes Erlebnis gewesen für uns. Einfach nur so kurz mal da zu stehen. Ich weiß nicht, woher das kommt tatsächlich, aber so kurze Momente sind immer ganz schön, um den Nordakku wieder aufzuladen.

Die Novum: Ihr habt schon, du hast es gerade gesagt, mit Casper zusammengearbeitet. Wie ist die Zusammenarbeit entstanden?

Max: Er hat vor längerer Zeit mal ein Konzert besucht von uns und wir sind dann ins Gespräch gekommen, glaube ich, einen Monat später, als wir dann bei einer Show von ihm wiederum waren. Und er hat damals schon immer davon gesprochen, dass ihm das eine Lied, dieses „Hooligans“ was ihm sehr gut gefiel, und als wir dann dabei waren, das Album aufzunehmen und dieses Stück eben, was auf der EP auch schon drauf war, noch mal neu aufzunehmen, haben wir eben überlegt, was können wir machen und sind dann auf die Idee gekommen, ihn einfach zu fragen, ob er Teil sein möchte, dessen, und er hat glücklicherweise zugesagt.

Die Novum: Ich habe den Song vorhin gehört und hab ihn fast gar nicht erkannt, singt er da wirklich immer ganz anders als sonst, wie habt ihr ihn dazu gebracht, anders zu singen?

Max: Also, er singt tatsächlich, sonst rappt er ja meistens und dort singt er.

Die Novum: Das heißt, ihr habt jetzt schon mit Casper gearbeitet und seid schon gerade ziemlich am Aufsteigen und so, wie geht ihr denn mit den doch relativ hohen Erwartungen um, die an euch gestellt werden?

Max: Das schöne ist, dass wir dieses Album innerhalb der letzten vier Jahre, glaube ich, gemacht haben. Und in dieser Zeit uns niemand irgendwie gedrängt hat dazu, wir haben das einfach sehr, sehr frei alles machen können und haben dann quasi dieses fertige Produkt einfach abgeliefert und gesagt, so, danach wurde daran auch nichts mehr verändert und ich glaube, dadurch, dass wir es einmal so erlebt haben, ist dieses Gefühl gar nicht so da, dass wir jetzt diesen riesen Druck haben, diese zweite Platte zu machen, sondern wir haben einfach Lust dazu und werden es ähnlich machen – hoffentlich in einer kürzeren Zeit.

Die Novum: Das heißt, ihr habt es dann während der Schulzeit aufgenommen schon,

Max: Genau, ja. Also wir haben jetzt letztes Jahr Abi gemacht und waren quasi kurz, jetzt muss ich überlegen, wann wir mit dem Aufnahmeprozess, ich glaube, ungefähr ein Jahr, bevor es am Ende rausgekommen ist, waren die meisten Sachen fertig aufgenommen, danach haben wir nur noch so ein paar additionale Sachen irgendwie aufgenommen und gemischt und so und uns um den Rest gekümmert.

Die Novum: Es gibt ja diesen einen Vergleich, der ja immer andauernd kommt, ja, und da geht’s um die Frage, was nervt euch an Dirk von Lowtzow?

Max: Hahaha.

Die Novum: Also etwas, was euch so richtig anpisst an dem Menschen.

Max: Nee, ich bin tatsächlich gerade von den älteren Sachen sehr großer Freund, das gefiel mir damals schon. Die neueren Sachen sprechen mich nicht mehr so sehr an, das liegt aber zum Teil auch einfach daran, dass ich mich musikalisch in eine ganz andere Richtung orientiert habe. Ich habe nur eine so schöne Szene im Kopf, ich war irgendwie, das muss 2006 oder 2007 gewesen sein, als vierzehnjähriger glaub ich oder fünfzehnjähriger, auf dem Hurricane-Festival in Scheesel und stand dann da und da haben Tocotronic gespielt und das ist halt so ein sehr – wie drücke ich das jetzt diplomatisch aus – dieses sehr behäbige und sehr breitbeinige Publikum und Dirk von Lowtzow ist mit weißem Hemd und rosa Hose aufgetreten. Und neben mir wurde es sehr unruhig und die Leute wollten ihn von der Bühne quasi runterholen und das hat mir schon sehr imponiert, das fand ich ein gutes Statement gegen das Bierproletentum auf dem Festival. Hahaha. Nicht, dass ich im allgemeinen etwas gegen Bierproletentum habe, aber in diesem Fall fand ich es eigentlich ganz schön.

Die Novum: Es ist dir schon fremd, das Bierproletentum?

Max: Das auf jeden Fall, ja. Die rosa Hosen vielleicht sind mir auch noch ein bisschen fremd, aber vielleicht muss ich erst in das Alter kommen von Dirk von Lowtzow, um das nachvollziehen zu können. Hahaha.

Die Novum: Also euch wird ja so eine Cleverness nachgesagt, würdest du manchmal gern ein bisschen dümmer sein – würde dir das gefallen, einfach mal weniger denken zu müssen?

Max: Ich glaube nicht, dass das am Ende des Tages wirklich erbaulich ist. Ich glaube, das, natürlich kann man das jetzt ganz weit spinnen, natürlich sind die Leute, die dumm sind, denen ist das vielleicht nicht so bewusst und die sind deswegen frei und so weiter und so fort, aber ich glaube, am Ende des Tages bin ich ganz froh, dass ich ein bisschen abstrahieren und selbst reflektieren kann. Hahaha.

Die Novum: Welcher deutsche Sänger verdient deiner Meinung nach mehr Beachtung?

Max: Na ich glaube, was das jüngere Publikum angeht, dass solche Leute wie Erdmöbel oder Element of Crime auf jeden Fall mehr Beachtung verdient hätten. Was die jüngeren Menschen angeht, die… ja.

Die Novum: Gibt es einen Fehler, den andere junge deutsche Bands gemacht haben, den ihr auf keinen Fall machen werdet? Wir denken da an Echt, zum Beispiel.

Max: Ja, was haben Echt denn falsch gemacht?

Die Novum: Naja, irgendwas mit Exhibitionismus.

Max: Waren die nackt, war Echt nackt?

Die Novum: Ich glaube, Kim Frank hat sich da ziemlich hervorgetan, ja und auch durch seinen Konsum

Max: Hahaha.

Die Novum: Die Frage ist, wir wollen das gar nicht so vorgeben, das kann auch…

Fahrrad: Also ich weiß es nicht. Man könnte jetzt so ganz platt sagen, wir werden keine schlechte Musik machen und irgendwie so was blödes, aber ich wüsste jetzt tatsächlich nicht, ich finde es auch immer anmaßend, sich über andere Leute da zu erheben. Ich glaube, dass, vielleicht, jetzt muss ich schon so reden, als wäre ich mein eigener Elternteil, es ist auch wichtig, manchmal Fehler zu machen um sich gut entwickeln zu können. Hahaha.

Die Novum: Mut zu Fehlern.

Max: Mut zu Fehlern, ja. Gib deinem Leben keinen Sinn.

Die Novum: Also wir haben noch eine merkwürdige Frage. Bei dem Bandnamen denkt man an Fahrräder, es hat was mit Fahrrädern zu tun und Fahrradfahren nach der Schule ist ja so ein typisches Jungs-Hobby eigentlich, also Mädchen gehen halt reiten, Jungs fahren Fahrrad – hattet ihr auch manchmal so peinliche Hobbies, die also eher so mädchenmäßig sind, die ihr irgendwelchen Leuten verschwiegen habt und die ihr jetzt, da ihr älter seid, sozusagen der Öffentlichkeit präsentieren könnt?

Max: Ich weiß, dass, also ich bin, ich weiß nicht, wie es mit anderen Teilen der Band ist, aber ich bin tatsächlich mal geritten. Da muss ich so zehn gewesen sein oder so, aber ich kann das nicht so unterschreiben, das ist eigentlich, eigentlich ist es ja was sehr männliches, die Ritter sind geritten und die Cowboys und so, das wollte man ja. Ich zumindest wollte das auch immer irgendwie sein, damals…

Die Novum: Aber nicht Pony-Reiten, oder?

Max: Nee nee, das war schon so ein richtig amtliches Pferd auch. Und ich weiß nicht, was die anderen so gemacht haben, ich glaube, dass Leif, ich will jetzt aber auch nicht, hatte auch mit Pferden Kontakt, ich glaube, Leif hat mal voltigiert. Aber das könnte ich jetzt, also ich möchte jetzt keine Lügen verbreiten. Hahaha.

Die Novum: Ja, wir haben eine Rubrik in der Sendung, beziehungsweise es geht darum, magst du es kurz erklären…

Die Novum: Ein Song, der dich in deinem Leben bewegt hat, der dir irgendwo hier ins Herz reingeht, und eine Geschichte dazu… ?

Max: Ok. Da muss ich jetzt kurz mal überlegen, was da jetzt so wirklich relevant ist. Hahaha. Also es ist tatsächlich so, mir fällt jetzt gerade was richtig blödes ein, vielleicht ist es genau richtig, dass ich jetzt das erste blöde, was mir einfällt, sage und zwar: Im Jahr 2006, bei der WM, als, da haben große Teile der Band sich auch erst kennengelernt so richtig und wir haben da sehr viel zu Public Viewings Bier getrunken, mit vierzehn, und sind dann, vor der Polizei haben wir uns versteckt und so ganz pubertär irgendwie und da lief immer von Bob Sinclaire dieses Pfeiflied, kennt ihr das? Das offizielle Lied. Ich wünsche mir dieses Lied bitte, weil ich das mit der WM 2006 verbinde und einem der schönsten Sommer, die ich in meiner Adoleszenz verleben durfte. Hahaha.Ich weiß nicht, wie das heißt, ich kann auch leider nicht so gut pfeifen, aber…

Die Novum: Ich hab es im Kopf, aber der Titel fällt mir auch nicht ein.

Max: … und es ist so ein schönes Video, wie so ein Junge mit einem BMX durch die ganze Welt fährt und ein schlecht animierter Löwe hüpft hinterher und schießt einen Fußball mit Augen. Stimmt, Goleo hieß der.

Die Novum: Ich habe es jetzt als Ohrwurm, danke.

Max: Hahaha.

Gekürzte Fassung erschienen in Die Novum / Ausgabe 14/2012

Mittwoch, 30. Mai 2012

An der Discounterkasse von Eltern gegenüber ihren Kindern als "Onkel" bezeichnet zu werden ist immer wieder ein harter Schlag.

Dienstag, 22. Mai 2012

Fliegen sausen durch den Printpool, die Doppelproduktion der nächsten zwei Novum-Ausgaben an einem Abend hat einigermaßen geklappt. Ein Preis an jemand besonderen für die Übersetzung von Euphori-Lock (dem Zahlenschloss für Ben & Jerry's-Eimer) als "Frohlocki-Schloss".

Heute Abend muss ich keine Blattkritik machen, dafür werden unsere Seiten wieder, ich zitiere, "von Leuten kritisiert werden die 'Hernach' für eine Person halten."

Weitere Pläne für die Woche: ein paar Interviews für ein Festival vorbereiten, bei dem ich nicht weiß was mich erwartet - schließlich ist das "Immergut-Festival" so etwas wie "Rock am Ring" für Jutebeutel-Jungs (nur kleiner).

Bin besonders auf die Autofahrt gespannt.   

Kickin’ in the front seat
Sittin’ in the back seat
Gotta make my mind up
Which seat can I take?


Am besten ich mach mich unsichtbar und spiele mit Kopfhörern Shiren The Wanderer, wegen der melancholischen Musik im Bamboo Village und weil sich nach jedem Permadeath die Spieltwelt ein kleines bisschen weiterentwickelt.

Montag, 30. April 2012

Gegen Sakamotos keimfreien Flügel treten wollen

Donnerstag, 26. April 2012

Samstag, 21. April 2012

Der Duft der Langeweile, der von gepflegten Pixie-Cuts ausgeht... Schau her, ich bin fraulich, auch mit kurzen Haaren und meine Augen scheinen noch viel größer. Androgynie für halbherzige.

Wrong planet issue

Bei Facebook bin ich auf genau zwei Bildern verlinkt - auf beiden, im Zeitraum von einem Jahr aufgenommen, stehe ich neben Leuten, die falsche Schnurrbärte tragen und auf beiden habe ich selbst keinen falschen Schnurrbart. Kenne ich die falschen Menschen oder habe ich Prinzipien?

Donnerstag, 19. April 2012

Diffuse, aber eigentlich an einzelne Personen gerichtete Hass-Tweets während der Vorlesung abzulassen ist so zweites Semester.

Mittwoch, 18. April 2012

Philosophie für fortgeschrittene Anfängerexperten

Über das Gedanken-Magazin “Hohe Luft”, das jetzt in Serie geht

Neulich am Bahnhofskiosk: etwas zu lesen muss her für eine mehrstündige Zugfahrt.
Es sollte mehr Text als Bilder enthalten, sonst droht bei vorzeitigem Auslesen das Bahn-Magazin mit Portraits von Boris Becker und Udo Jürgens. Also eine weitere Runde Kriegsgeschichten des Print-Opas Spiegel? Oder doch die selbst mit viel Fahrzeit schwer zu erlegende Frankfurter Allgemeine Zeitung? Alle Auswahl ist schwer am Kiosk, zwischen Bilderbögen und Bleiwüsten. Aber ab und zu gibt es Print-Neugründungen, die auf schon beinahe überempathische Weise den Markt und den Leser verstanden haben wollen: handlich, grafisch aufwendig, aber nicht opulent. Und vor allem genau auf der Hälfte zwischen Anspruch und Nachgiebigkeit eingependelt.
Das Philosophie-Magazin “Hohe Luft” ist so ein Vertreter der neuen Freundlichkeit. Philosophie, aufbereitet nicht nur für “Bücherwürmer und Experten”, sondern für “das Leben”, so stellt es sich Chefredakteur Thomas Vašek vor.
Benannt nach seiner Hamburger Heimat erschien “Hohe Luft” im letzten Jahr erstmalig als Testballon des Frauen-Besserverdiener-Blattes “emotion” und geht nun in Serie, angefächelt von reichlich positiven Rückmeldungen durch Leser und Kritiker. Tatsächlich findet sich unter den abgedruckten Leserbriefen in der ersten Serien-Ausgabe nur eine einzige kritische Stimme – und der ist nur die Schrift zu klein. Nichts soll hier den Leser von der Illusion abhalten, er gebe sich ganz der Bildung von Herz und Verstand hin. Zur Verstärkung des Wohlfühlfaktors trägt eine Heerschar von Illustratoren bei, die jedem Artikel ein passendes Bild aufpinselt. Vor der bunt angemalten Tafel wartet aber dennoch ein Schulmeister, der jetzt die Aufgabe hat, einem Publikum mit und ohne Vorbildung gerecht zu werden.
Mit einer penetranten Beflissenheit werden Themen wie “Lügen” oder “Vertrauen” über mehrere Seiten hinweg regelrecht abgearbeitet, jeder Denker, der einmal etwas passendes verfasst hat, wird zitiert. Die Frage bei diesem Herangehen ist: Regt es zum Denken an – oder regt es auf?
“Hohe Luft” betreibt das Zelebrieren von Fremdgedanken, unterstützt die Ansicht, jeder kluge Gedanke sei schon gedacht, man müsse ihn nur in sein Repertoire aufnehmen. Aus der hohen Gruft ergießt sich das Wissen der Toten. Die Frage nach der Jetzt-Tauglichkeit von “Hohe Luft” ist berechtigt. Der Bezug zum Leben des Lesers findet nur indirekt statt, kleine gegenwärtige Beispiele – wie viele Halbwahrheiten darf man einer auf dem Sterbebett liegenden Person zumuten – dienen als Einleitung, dann geht der Personenkult weiter. “Und schon X sagte im Jahre Y...” Manchmal scheint es, als seien die Autoren selbst eingeschüchtert und begnügten sich als Nachlassverwalter. Sind sie es einmal nicht und vertrauen ganz auf ihr eigenes Wort, so kommen frische Artikel dabei heraus, wie einer in der zweiten Ausgabe, der die Notwendigkeit des sich Entschuldigens hinterfragt.
Einerseits ist es diesem Philosophie-Magazin durchaus anzurechnen, dass es nicht den einfachen Weg der Precht’schen Beraterbibel geht und 99 Wege zum Glück offeriert. Andererseits wünscht man sich, trotz versuchter Bezugnahme auf iPhones, die Piratenpartei und selbststeuernde Autos, einen moderneren Ansatz, der noch klarer trennt zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Sicherlich, Erkenntnis verdirbt nicht, nur weil sie 200 Jahre alt ist – immerhin wird hier wieder und wieder die Frage aufgeworfen, inwiefern sich aktuelle Probleme mit “altem” Wissen lösen lassen gemäß “Schauet in die Vergangenheit und lasset die Weisen eure Probleme lösen!” Das ist ungefähr so naheliegend wie bei politischen Problemen andauernd Helmut Schmidt anzurufen. Im Jahr 2012 befremdet eine so unaufmüpfige, ja beinahe wohlfeile Wissenssammlung, die sich nicht so recht entscheiden kann zwischen Grafikdesigner-ABM, Oberschichten-Illustrierter und echtem Schnuppern an frischer Luft.

Montag, 16. April 2012

Mein Körper vibriert vor Stress und ich kann mich nicht offenbaren, weil ich völlig erstarrt nichts mache, das stressig genug aussieht
Wer ist schlimmer - derjenige, der Tags mit Bleistift an Wände malt oder der, der sie mittels Radiergummi wieder entfernt?

Sonntag, 1. April 2012

Ich packe meinen altgewordenen Computer zusammen, Mainboard, Grafikkarte und Netzteil werden gebettet in eine gepolsterte Kiste. Der Deckel schließt sich. Auf Wiedersehen Pentium 4 von 2004.
Über Computer reden muss ja eigentlich echt nicht sein.

Mittwoch, 28. März 2012

Diva als Dienstleister

Madonna tanzt und tanzt und tanzt

Wer ist die schönste im ganzen Land? Welche selbstverwirklichende Glitzermutti darf auf dem Thron sitzen? Die Welt ist besessen von einem regelrechten Queen-Komplex, außerordentlichem Klammern an lebende Superlative. Daran zeigt sich die Sehnsucht nach Führungskräften, die tanzen können und deren Laseraugen bis an den Himmel leuchten, um dort „wichtige“ Botschaften zu hinterlassen: „Uh la la you're my superstar, uh la la that's what you are.“ Trotz solch lose hingeworfener Inhalte – Madonna ist freilich die Königin! Und sie hat sich verbissen. In ihren Beruf als Begleiterin für Menschen auf dem Weg zu größerem Selbstbewusstsein.
Aber das Alter ist der Emanzipatorin anzumerken. Keine berufliche Laufbahn führt bis zum natürlichen Tod, vorher kommt der Ruhestand. Nur Madonna wartet auf noch mehr Ruhm und eine neue Generation von zu rettenden Mädchen. Wie eine Grundschullehrerin nahe an der Rente, die sich ein letztes mal ihre Tüchtigkeit beweisen und eine weitere erste Klasse aufwachsen sehen will. Aus Altersschwäche und Ehrgeiz entsteht nicht selten ein Cocktail aus Fehlern und Hochmut. So salbt sie ungefragt ahnungslosen Chartskäufern spirituelles Halbwissen auf Wunden, die diese gar nicht haben. Gleichzeitig verweist sie mit aber Titel ihres jüngsten Werkes „MDNA“ auf die abgehalfterte Droge Exstasy; dem kürzesten Weg zu einem sehr fragwürdigen Verständnis von Spiritualität. Madonna preist Wasser – und trinkt Schampus, ist heute hier, morgen dort, fleischgewordener Widerspruch.
Als Poplady kommt sie mit den größten Ungereimtheiten davon. Und in die Charts. Wer unterhält, dem sieht man einiges nach. Madonna zu kritisieren hieße also, die Party zu verderben und künftig als Spielverderber alleine im trostlosen Vorgarten zu sitzen. Nur sind solche in Turnzeug getarnte Mystik-Trullas in Wirklichkeit wesentlich gefährlicher als willenlose Politiker, haben sie doch längst die Autoritätsrollen getauscht. Und wo Politiker in Sitzungen Sudokus lösen, führt die Herzkönigin Madonna echte Kriege. Gegen Körperfett, Falten und die Verherrlichung des entspannten Altwerdens! Natürlich auch gegen junge, gaga Nachfolger. Ihr spielerischer Umgang mit Drogen ist eine Verbeugung vor dem Club-Publikum, das ihr dafür dankbar Pillen aus der Hand frisst. Wenn Mutti Madonna konsumiert, ist das Absolution und Appell zugleich. Nur: Mutti ist nicht dumm, Mutti konsumiert nicht. Sie tut nur so. Drogen sind viel zu gefährlich für ihren waffenartigen Körper. Sie ist eine grimmige, muskelbepackte Chartshexe, die nur dann aussieht, als würde sie lächeln, wenn man sie auf den Kopf stellt. Und wenn sie dann nach ihrem mehrstündigen Workout doch mal schwach werden sollte, greift sie wahrscheinlich zähneknirschend zur E-Zigarette. Wenn schon schwach, dann wenigstens rußfrei.

Sonntag, 4. März 2012

Das unwiderstehliche Bedürfnis, den elektrischen Fliegenzapper anzufassen. Und dann: nichts, nicht mal ein leichtes Britzeln. Scheiß TÜV ey.

Mittwoch, 29. Februar 2012

29 / 02 / 2012

Ich streichelte die Datei mit vermeintlich fast fertigen Songs wochenlang, mit leicht zusammengekniffenen Augen. Mit der vollen Überzeugung, da in kurzer Zeit so viel Material zusammengeschrieben zu haben, dass es doch reichen muss für ein paar Songs.
Aber nicht alles, was man betrunken im Keller eines Clubs in sein Telefon getippt hat stellt sich später als brauchbarer Song heraus. Vielleicht hatte mich die Nyan Cat-Projektion im Keller des Metronom Clubs beeinträchtigt. Endlosschleife schleift Gehirn ab. Diesen Satz gab es so oder ähnlich schon sehr oft in diesem Blog. Gleich rege ich mich über das Wort Gehirn auf, weil es sich liest wie Gekräuse und Gekrauch - irgendwie unwürdig halt. Zwischen Brain und Mind, Gehirn und Gemüt muss es ja noch eine Zwischenstufe geben. Wie auch immer, ich hatte jetzt drei Wochen frei. Ich zappte da durch Spiele wie andere durchs Fernsehprogramm.
Ich hatte Phasen, in denen ich mich von den Phasen davor erholen musste. Grade eben habe ich Respekt vor Alkohol und Völlerei. 
Irgendwann kam dann das doch recht lang erwartete Paket von Annie Hardy und Aaron North. Hin und hergerissen zwischen Rührung (soviel Zeug und gefühlte persönliche Widmung) und dem Wissen, dass ich das bei eBay gekauft hatte (aber A. berichtete, den Namen V. immer im Auge gehabt zu haben). Ein Überraschungspaket. Auf der beigelegten Postkarte steht eine Adresse, an der ich mal einen Stein durchs Fenster werfen möge, sollte ich mal dran vorbeikommen. Dafür hab ich jetzt eine lebenslange Eintrittskarte für Giant Drag-Konzerte. Sollten die jemals wieder passieren. Eine kleine Band, eigentlich längst vergessen, aufrechterhalten über Paypal.  Neogrunge mit manchmal nicht ganz leicht erklärbarer Faszination.
Muss jetzt zum Briefkasten, zur Bank, in die Kaufhalle, Milch, Eier und Brot kaufen. Und Wurst.
Und dann mein Auto waschen.
Okay, hier stimmt was nicht: Ich muss zum Briefkasten und zur Bank. Eigentlich brauche ich nur Wasser und Erdnüsse. Auf Wurst und den anderen Neubaublock-Maiks Familie isst um 18 Uhr Ambndbrot-Kram kann ich verzichten. Ich hab auch kein Auto. Ich hab aber immerhin Haare, die ich mal waschen ... Ach komm jetzt.

Mittwoch, 25. Januar 2012

Wunderschöne Interferenzen

Eine halbkonstruierte TV-Sendung, deren Ablauf vom Ansturm echten Wassers unterbrochen wird, das hat schon was aufregendes. Die reale Welt bricht ein die ebenfalls reale, aber behütetere Version ihrer selbst.
Hier eine Liste weiterer Wünsche für die kommenden TV-Monate:

Germany’s Next Topmodel

In den ersten Auswahlsendungen fällt eine Wand um und man sieht das Popstars-Studio, in dem gerade ein Casting läuft. Es kommt zu einer spontanen Umentscheidung mancher Kanditatinnen bezüglich ihres Talents und Berufswunsches. Ein großes Gerenne nach drüben, bis die Wand wieder steht.


Big Brother 2012

Der Container wird von Tief Olivia nach Oz gewirbelt. Ein paar Praktikanten können sich unten am Kabelgewirr des Häuschens festhalten und berichten mit ihren Smartphones. Die Böse Hexe des Ostens kriecht unter dem Container hervor und initiiert für den MDR ein Dorothy-Casting in märchenhafter Volksmusik-Kulisse.



Sommermädchen 2012

Die Mädchen müssen sich in deutschen Schwimmbädern bei laufendem Betrieb bewähren. Ihnen hat das aber keiner gesagt und sie wähnen sich an der Costa Daurada in Spanien. Bis zur letzten Folge freuen sie sich, dass die spanischen Männer viel schöner seien als die deutschen. Für den Zuschauer ist dieser Dauerirrtum ein großes Vergnügen. Auch das Geibeltbad in Pirna profitiert merklich.



Popstars - Engel haben kurze Beine

Die Kandidaten gehen zum Casting und spüren, dass der große Durchbruch ganz nah ist. Während einer Aufzeichnung fällt eine Wand um und man sieht das Germany's Next Topmodel-Studio, in dem gerade ein Casting läuft. Es eröffnen sich unbegrenzte Möglichkeiten. Was könnte hinter der nächsten Wand sein? Die Euphorie kennt keine Grenzen.

Dienstag, 24. Januar 2012

_ Always A Crush On The Same Game _

Azrael's Tear (1996, Intelligent Games)
Echo Night (1999, FromSoftware)




Shadowgate 64 (1999, Infinite Ventures)





Pathologic (2005, Ice-Pick Lodge)

Montag, 23. Januar 2012

Zum 25. wünsche ich mir eine Aschetorte mit Zigaretten als Kerzen.
Wir werden gemeinsam pusten, die Partikel sollen durch den Raum fliegen und alle lachen und husten. Dann darf ich das Vierteljahrhundertsgeschenk auspacken. Eine Kompaktkamera, die keine Einstellung von alleine vornimmt. Aber Mutti, ich habe euch doch mitgeteilt, dass ich mir diese Kamera bereits selber gekauft hab. Von euch wollte ich so gerne ein Zelt haben. Hatten wir nicht darüber gesprochen, unweit von Neujahr. Auf welchem Kanal sprachen wir?
Auf dem Mail-Kanal. Aber Junge, ich habe doch schon lange eine neue e-mail-Adresse. Habe ich sie nicht geschickt? An welche Adresse? Na an die... Die habe ich doch schon lange nicht mehr.


Pencil head case

Facebook war nie schlecht zu mir. Es brachte mir bei, mich bündig zu äußern und belohnte mich dafür. Dann aber kam eine Zeit, in der der Zwang zur Zuspitzung sich auf den Wuchs meines Kopfes auszuwirken begann. Er kriegte nach und nach die Form eines Bleistiftes. Damit ließen sich Bilder konstruieren, die sich jeder Geometrielehrer übers Bett gehängt hätte.
Zuletzt aber brach die Mine immer öfter ab, das Papier kriegte Löcher und die Zeichnungen verkauften sich nicht mehr so gut. Käufer beschwerten sich über Graphitspuren an den Wänden ihrer Galerien.
Vielleicht werde ich doch nie Servicekraft im öffentlichen Gebrauchskunstdienst.
Vielleicht lerne ich in Zukunft den Rhythmus der Maler, das Auftragen von Schichten. Trocknen lassen. Auftragen. Aus dem Fenster des Ateliers gucken.
In einem Schaufenster unten auf der Straße sehe ich ein Keyboard. Der Laden heißt "In & Out".
Facebook ist schlecht zu mir. Ich spüre die Hände, die mir entgegengestreckt und wieder entzogen werden, als kämen sie aus einer Kuckucksuhr. Sie wollen etwas, sie brauchen es nicht. Ich will es ihnen trotzdem recht machen. Ein Stück Schokolade bar auf die Hand. Die Uhr schlägt, ich nehme es als Belohnung. Aber sie hätte auch ohne mich geschlagen.

Samstag, 21. Januar 2012

electro pop rant

Irgendwann finde ich bei eBay nochmal so ein 404 SX-Faceplate, dann kann ich es bemalen lassen.
Von el moco oder so.
Aber bemalte Sampler sind wie Gitarren mit Zungen-Stickern und Bandlogos drauf. Etwas zu verspielt.
Graue Gesichtslosigkeit ist schön, schlechte Sounds sind schön. Einzig der Kaossilator mit seinen 100 unveränderlichen Klängen ist einfach witzlos - jeder einzelne von ihnen soll verrückt sein, anders, merkwürdig. Irgendwie erinnert das an den RnB-Generator, der vor ein paar Jahren in jedem Internetforum verlinkt wurde.
Genau wie dieses Plugin! Ihr könnt beten, dass euer Lieblingsmusiker es nicht benutzt...

Mittwoch, 18. Januar 2012

Braune Blüten an wehrlosen Bäumen

Von Nazi-Ökologen und ihren grünen Zielen

Die Natur zu romantisieren war bei Nazis schon immer Mittel zum Zweck: der rauschende Wald, die ehrlichen Bauern auf dem Felde und der deutsche Adler, der über alledem majestätisch kreist, diente im Dritten Reich vor allem zur Verherrlichung der lokalen Natur. Der Rest der Welt sollte damit zur öden Wildnis stilisiert werden, die allerhöchstens als erobernswertes Ackerland dienen kann.
Eine Veröffentlichung der Heinrich Böll-Stiftung zum Thema „Braune Ökologie“ zeigt nun aber, dass auch moderne Umwelthemen rechtsaußen populär sind.
Entdecken die Braunen jetzt das Guerilla Gardening für sich, werden bald illegal deutsche Eichen auf Verkehrsinseln gepflanzt? Die Sorge um Vereinnahmung „ihrer„ Themen treibt das linke politische Lager schon länger um. Der abnehmende Orientierungswert der Weltverkehrseinteilung in links und rechts wird besonders deutlich beim Thema Umweltschutz.
Kann man falsch Tomaten ziehen, unkorrekt gegen Atomkraft sein? Als in Deutschland die ersten Proteste gegen Kernenergie aufkamen, sei der rechtsextreme „Weltbund zum Schutz des Lebens„ von Anfang an dabei gewesen, heißt es in der Ausarbeitung der Stiftung. Die Unterschiede liegen im Detail: Der politisch gemäßigte Mensch sieht den Wald und stellt sich vor, wie er in 200 Jahren aussehen möge. Schlimmstenfalls
plant er, ein Flächenlos zu pachten um Feuerholz zu schlagen. Der Rechtsideologe erkennt einen prima
Übungsplatz, sieht in Gedanken seine Kinder zelten und Manöver üben. Auch er umarmt seinen Freund, den Baum, aber anschließend ritzt er verbotene Zeichen in den Stamm.
Der Gedanke an die immer kriegerischen Hintergründe jedweden völkischen Ideengutes lässt augenblicklich jeden Ansatz von Verständnis verrotten. Der verengte Blick der Heimatschützer, die alles außerhalb des Radius ihres kleinen Häuschens maximal als potentiellen Siedlungsraum betrachten, strengt an – wie ein Gegenüber, das jedes Gesprächsthema auf ein einziges, ihm bekanntes, umlenken muss,
um mitreden zu können. Das rechte Öko-Magazin „Umwelt & Aktiv„ verkündet: „Umweltschutz ist nicht grün, denn der Schutz der Natur beginnt vor Ort. Und meint damit eigentlich: soll ausschließlich vor Ort passieren. Dass ideologielose Ökologen sowohl ihren eigenen Garten schätzen als auch die Welt als
Ganzes betrachten, wollen die Vertreter von „Bündnis 33/Die Runen„ nicht wissen. Es fällt auf, dass es beinah zwecklos ist, über Umweltschutz unter dem Gesichtspunkt einer Ideologie zu sprechen. Die Projekte von links und rechts sind sich zu ähnlich: Im Ort Bad Oldesloe initiierten die „Autonomen Nationalen Sozialisten Stormarn„ Proteste gegen den Bau einer Schweinemastanlage. Ein Aufbegehren, das die meisten Menschen blind unterschreiben würden. Die Anlage wurde tatsächlich nicht gebaut. Wieder erinnert der Name der Gruppierung an die zunehmende Auflösung einfacher Weltbilder. Autonom, wer will das nicht sein, sozial, selbstverständlich, und national nehmen wir auch noch mit. Diese Verwischungen erinnern an die Tricks windiger Vertreter, denen es ausschließlich darum geht, den Fuß in irgendeine Tür zu bekommen. Sind sie einmal drin, in der guten Stube, präsentieren sie immer dasselbe Produkt: eine Welt, in der das Überleben noch eine Kunst und die Globalisierung nie passiert ist. Die scheinbare Komplexität, die Vielfalt im Auftreten ist bei braunen Gruppierungen nach wie vor Lockmittel.
Solange rechte Ideologen jedes blühende Feld immer noch als zukünftiges Schlachtfeld sehen, der Ausgang allen Handelns nach wie vor auf die barbarische Eroberung neuen „Lebensraumes„ abzielt, ist jede rechte Umweltschutzbemühung ein Täuschungsversuch. Hinterm Haus Tomaten, im Keller die Granaten.

Die Ausarbeitung „Braune Ökologie„ der Heinrich Böll-Stiftung erschien am 10. Januar 2012 und ist kostenfrei abrufbar unter
 http://www.boell.de/downloads/braune-oekologen.pdf
Sie beleuchtet die parallele geschichtliche Entwicklung von Umweltschutz und Naturverständnis in unterschiedlich politisierten Lagern.
Fünf Freunde im alten Deutschland

Wie die Chemnitzer Band Kraftklub die Liebe der BRD entfachte

Wenn Enid Blyton das noch hätte erleben dürfen: Fünf Freunde, gemeinsam schick und dünn, verschiffen die Tristesse des Englands der 80er Jahre nach Deutschland und werden, wie die Bücher Blytons im Original heißen, die Famous Five. Diese durften nie erwachsen werden. Was alles hätte geschehen können: Die stets hilfsbereiten und wohlerzogenen Kinder hätten Probleme mit Mädchen gekriegt, sich Instrumente gekauft und wären die Bloodhound Gang Ostdeutschlands geworden. Als Kraftklub wären sie aufgetreten, „im Namen der Liebe“. Die Monarchie dabei in England lassend, denn „Die Prinzen“ sind tot. Kraftklub-Sänger Felix Brummer wäre der neue Lord der Schulbands.
Das ist 2010 Realität geworden. Denn eine Schulband sind Kraftklub ursprünglich tatsächlich. Eine Gruppe namens Neon Blocks, die Postpunk und New Wave aus dem Lehrbuch spielt. In der Strophe Gitarrenanschläge, die klingen wie gerade so noch mit schmerzender Hand hingemalte Zahlen kurz vor dem Pausengong. Wenig später Bier und Wodka in einem Partykeller – fast alle Refrains auf dem Debüt „Mit K“ tanzen auf den unzerstörbaren Trademark-Discorhythmus. Wer ihn hört, erkennt ihn sofort. Aber Kraftklub brauchen sich dennoch nicht als Chemnitz’ Gang of Four beschimpfen zu lassen. Denn ihr fünftes Mitglied Felix ist ein Segen, mit dessen Texten sich alle dummdeutschen Bands heilen ließen. Silbermond mit ihm als Frontmann würden ihrer Heimat Bautzen zu neuem Glanz verhelfen. Aber die tun es nicht, weder spiegeln sie musikalisch ihre Herkunft, noch spielen sie damit. Kraftklub dagegen vertreten die ehemalige DDR als die ärmsten Playboys aller Zeiten, ihre Mansion ist der Club Atomino. Und sie sind stolz darauf. Nichts ist erotischer als ein Mann, der mit Überzeugung Beck Hansen zitiert anstatt Kurt Beck zu wählen.
Aber, liebe Mädchen und Frauen, bevor ihr begeistert Liebesbriefe an die Band schreibt, müsst ihr jetzt tapfer sein – Kraftklub daten seit circa einem Jahr eine Frau namens Germany. Sie haben jetzt auch einen besseren Job bei der mächtigen Universal - und das nicht bloß als Tellerwäscher, ihr Leben hat sich verändert. Sie sind zu Gast bei Stefan Raab, nicht mehr beim Arbeitsvermittler. Die Liebe wuchs stetig, aber das Geständnis ließ ungewöhnlich lange auf sich warten; das Geständnis in Form eines kaufbaren Albums. Gentlemen fallen mit ihrer Zuneigung nicht ins Haus. Doch jetzt ist es soweit, Kraftklub offenbaren sich: Germany muss auf die Frage antworten – liebst du Kraftklub oder nicht? Schmeichelnde Synthies gibt es hier so gut wie keine, nur Geigen im Liebeslied „Kein Liebeslied“. Und sie werden auch gleich wieder verhöhnt. Kim Frank würde abnehmen für so einen Song, für ein Comeback von Echt, ohne ein Bandmitglied namens Puffi. Kraftklub singen lieber über Puffs und sich selber. Die Böhsen Onkelz haben das auch mal versucht. Sie endeten an Heckscheiben und im Gefängnis. So etwas dramatisches wird der Band aus Chemnitz nicht passieren. In ihrer Musik trifft New Wave auf scharfzüngigen Sprechgesang, Drinnies lassen sich die Straße zeigen von Draußis. Dennoch sind es eher zwei Welpen, die aufeinanderprallen, als zwei Welten. Das Major-Debüt ist niedlich wie ein Liebesbrief, den jemand mit Kaffee übergossen hat für einen Anflug von Welterfahrenheit. Der ironische Umgang mit Liebesdingen offenbart noch eine gewisse Unsicherheit mit diesen. Kraftklub müssen aufpassen, dass sie nicht die falschen Signale an ihr Lieblingsmädchen schicken.

Dienstag, 17. Januar 2012

Climax killer strikes again

Wir kommen nachts nach Hause, die Katze war den ganzen Tag allein. An der Küchentür und auf dem Boden davor ist überall Blut. Sie untersucht das Tier, ich laufe in der Wohnung umher. Was ist geschehen? Es waren die Nachbarn. Sie streiten sich häufig, auf dem Gang herrscht immer reger Verkehr. Sie besuchen sich gegenseitig. Kiffergewiesel. Nicht nachvollziehbare Aktivitäten. Einmal lag auf der Straße vor meinem Haus eine zerschellte Xbox. Ich trug sie nach oben wie ein verwundetes Tier. Jemand muss es aus dem Fenster geworfen haben. Die Nachbarn eben. Das Blut. Unsere Wohnung.
Ich rufe Detektiv Conan an, aber der hat keine Zeit. Sie hat in der Zwischenzeit den Fall geknackt: Nebenan hat es mal wieder heftigen Streit gegeben. Dabei wurden Türen geknallt, die Erschütterungen ließen hier einen Bilderrahmen von einem Wandboard fallen - direkt auf ein Tütchen Ketchup, dessen Inhalt überall hinspritzte.

True Story.                                                 

Mittwoch, 11. Januar 2012

Mit Scham, Charme und Perücke

Christian Ulmen geht undercover – diesmal als Schüler „Jonas“ an einer Gesamtschule

„Meth kills“ warnen Plakate in ganz Mittweida vor der synthetischen Droge Crystal Meth, darunter ist ein vom Missbrauch zerfressenes Gesicht zu sehen. Mit einem Durchschnittsleben hat diese Warnung nichts zu tun – „Math kills“ wäre treffender für die Probleme vieler Menschen.
Angst vor Mathematik, vor Millimeterarbeit beim Denken und der Schule an sich: Der Schauspieler Christian Ulmen exhumiert im jetzt angelaufenen Filmexperiment „Jonas“ seine Erinnerungen an die Schulzeit. Dazu gab sich der 36-jährige Ulmen als halb so alter mehrfacher Sitzenbleiber Jonas aus, der eine letzte Chance auf einen Schulabschluss erhält und dabei von einem Kamerateam begleitet wird.
Die wegen ihrer Unauffälligkeit als Drehort ausgesuchte Gesamtschule in Brandenburg ist ein Ort, wo die Schüler geistig rege sind, aufbegehren bei Ungerechtigkeiten, aber nicht auf diese unkommunikative Art lamentieren, die Lehrer so verrückt macht. Lauter liebe Jungs und Mädchen. Mit Makeup-Schicht und Perücke bewegt sich Jonas ebenso lieb durch den Schulalltag und ist nie auf Provokation aus. Selbst Heinz Rühmann in „Die Feuerzangenbowle“ hatte mehr Biss.
Das verwundert, zumal Christian Ulmen in früheren Formaten wie „Mein neuer Freund“ versuchte, Fremde vor ihren Bekannten möglichst schnell zu beschämen. Das zeitweise ins Anbiedernde reichende Verhalten der Figur Jonas - auffallend oft bedankt er sich bei Lehrern für den Unterricht - wirkt für den Zuschauer unerklärlich, zumal des Sitzenbleibers wahre Identität den Lehrern bekannt war.
 Für ein filmisches „Experiment“ ist das ein sorgloser Versuchsaufbau mit unklarer Fragestellung. Aber so genau will sich ohnehin niemand festlegen, weder Regisseur noch der einzige Schauspieler. „Jonas“ sei einfach irgendwas, aber mit Sicherheit ganz viel nicht: kein Spielfilm, keine Dokumentation – selbstverständlich aber etwas Neues. Am ehesten dient er noch der persönlichen Schultrauma-Verarbeitung, einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt.
„Jonas“-Regisseur Robert Wilde bringt die Fixierung auf Ängste dazu, den Blick auf den Schulalltag an den uninteressanten Stellen scharf zu stellen. Dazu gehört wie selbstverständlich eine Szene im Sportunterricht, die den dicklichen jung-alten Ulmen beim Versagen zeigt. Sportunterricht ist unmenschlich, Mathematik braucht keiner, die Zukunftsangst eines Chemielehrers ist unbegründet – abgegriffene 68er-Mantras.
Das wäre weniger schlimm, wenn der Blick auf das Geschehen dokumentarisch bliebe. Dazu würde auch gehören, Szenen in ihrer vollen Konsequenz zu zeigen. Aber wenn Jonas in der Mathematik-Klausur Nasenbluten bekommt, auf sein Blatt tropft, folgt ein Schnitt, aber keine Reaktion des Umfelds. Dass der Lehrer eingeweiht war, verhindert, sein gleichgültiges Verhalten in der Szene als Kommentar zu werten. Ulmens Schulausflug ermüdet, denn er fordert heraus, die halbechte Unterrichtswelt ständig abzuklopfen nach hohlen Stellen. Jede durchinszenierte Reality-Sendung wie „Familien im Brennpunkt“ ist glaubhafter, denn dort herrschen eindeutige Regeln: RTL und Tochterfirmen inszenieren eine Scheinrealität, die um maximale Echtheit bemüht ist. Ob der Zuschauer alles durchschaut oder aber glaubt, ist ihm überlassen.
Christian Ulmens neuer Film ist wie die Figur, die er spielt: rosig und geföhnt. In der unwahrscheinlichsten Szene sitzt der Junge allein mit seiner Ethiklehrerin in einer Kirche und redet über den lieben Gott. Durch die Schminke, die wie Abdeckcreme wirkt, leuchten in hier keine Pickel, sondern ein erwachsener Mann. Immerhin, wenigstens die Lehrerin zeigt sich nüchtern und glaubt nicht an Schöpfungsmythen. Ein kleiner Sieg für die Nüchternheit in einem Film, der nichts unheimlicheres kennt als ein paar Gleichungen.

Donnerstag, 5. Januar 2012

Simplex Gimplicissimus

Die Zeit von kurz vor Weihnachten bis nach Silvester damit verbracht für die SLM Privatradio zu scannen, stundenweise, jeden Beitrag und jede Moderation zu kategorisieren.
Jetzt sind bald wieder Prüfungen, in der Zwischenzeit sind Minuten von Zeit für Castlevania auf dem N64 frei, dabei gerate ich immer wieder in Schleifen aus Versagen und Aufrichten. Gelooptes verbissenes Peitschen von Skeletten.
Wenn ich mal groß bin, spiele ich Demon's Souls. Oder doch weiter King's Field auf der PlayStation, aber die habe ich seit ein paar Monaten verliehen, an jemanden der sie nun hauptsächlich als DVD-Player benutzt.

Ansonsten, auf dem Computer laufen die ersten Staffeln von Married... with Children und ich hab gelesen, dass Wonderfalls ohne Cliffhanger endet, darüber bin ich froh.