Mittwoch, 4. Mai 2011

John Foxx And The Maths

Musikcomputer am Abgrund der Langeweile

Der alte Foxx ist wieder da! Wo andere Menschen im Alter hochfrequente Piepsgeräte aufstellen, um die Jugend von ihren Rasen fernzuhalten, sendet Großvater John 2011 neue Signale in die Vororte, um Freunde zu finden. Zwei Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs geboren, errichtete er 1978 mit Hilfe eines Deutschen die Grundfesten des Synthiepop.
Systems of Romance hieß das Album, auf dem Foxx' Band Ultravox als eine der allerersten Gruppen Drummachines verwendete und unwissentlich Schulbusse voller späterer Musiker in Richtung Erfolg entführte. Wobei es für die Einflussnahme auf andere eher Belege gibt, enthusiastische Nennungen in Interviews etwa, als dafür, wer nun wirklich der Erfinder der elektronischen Musik sein könnte, wer den entscheidenden Beitrag geleistet hat.
Foxx begann bald eine Solokarriere, veröffentlichte Metamatic, ein robotisches Werk voll computerisierter Gesänge. Danach aber war er die nächsten dreißig Jahre nur sichtbar für ein sehr interessiertes Publikum, während Ultravox mit neuem Sänger große kommerzielle Erfolge wie Dancing with tears in my eyes erlebten.
Dem Ultraschallruf des Piepsgerätes folgen Mädchen, die Foxx‘ Geschichte kennen, aber nochmal hören wollen, und spätgeborene Jungs, die wild auf die Tricks des Alten sind. Die Erwartungen an einen Miterfinder des minimalen Elektropop sind schließlich groß. Wann gehen wir in DEN Keller? Dort soll eine ganze Sammlung alter Synthesizer stehen! Aber der Schreck ist groß – wie riesige Mondbären in einem asiatischen Gallenblasen-Anzapflabor stehen diese kabelstarrenden Wände da, fassungslos von Langeweile und Unterforderung.
Obwohl geschaffen, um zu erschaffen, zu synthetisieren, dürfen sie, getrieben von einer quälerischen Meute retrophiler Schundärzte seit 1980 jeden Tag 1 x 1 berechnen. Wie ein Maler, der gezwungen wird, täglich mit Filzstiften Marienkäfer zu zeichnen. In der Synthiebastei besteht man auf den mittlerweile wieder beliebten monophonen Taschenrechner-Klang. Was für ein glücklicher Zufall, wenn die selbstgekochte Marmelade von damals plötzlich wieder den Enkeln schmeckt.
Eigentlich möchte man sich mit der Kritik zurückhalten und dem Fuchs gerührt den späten Spaß gönnen. Interplay heißt seine neue Liedsammlung – Wechselwirkung, Zusammenspiel. Wie die Maschinen aneinander vorbeispielen, ist enttäuschend. Eventuell ist aber gemeint: das Spiel mit denjenigen, die man damals inspiriert hat.